• account_circle Das meint unser Herausgeber ...

    Schon Luther muss am Anfang seines Textes die biblischen zeitlichen Hintergründe erklären, bei uns ist das noch nötiger: Denn der erste Sohn hat heute - zu Recht! - nicht mehr die Bedeutung, die er zu Luthers Zeiten oder gar zu biblischen Zeiten hatte. Die Gleichberechtigung ist, wenn auch noch nicht vollkommen, vorangeschritten und die Unterschiede, die zwischen Jüngeren und Älteren, zwischen Töchtern und Söhnen gemacht werden, werden geringer. Dass der Erstgeborene Herrscher und Priester über die anderen Kinder sei, ist heute auf jeden Fall nicht mehr vorstellbar. Aber kann man das Bild des Erstgeborenen auch heute noch produktiv auf Christus beziehen? Zunächst auf jeden Fall so, dass Jesus Christus dadurch unser Bruder, wir seine Geschwister sind. Und vielleicht auch so: Eine Erfahrung in vielen Familien ist, dass der oder die Erstgeborene zunächst mal gewisse Rechte erstreiten muss, die die Geschwister dann meist automatisch auch bekommen. Christus also als der große Bruder, der uns Gerechtigkeit und Leben erstreitet? Das Bild ist nicht ganz perfekt, aber vielleicht ein bisschen anschlussfähiger.


    Aber dann sind da ja auch noch die beiden anderen Bilder, auf die Luther mit dem Erstgeborenen eigentlich hinsteuern will: König und Priester. Auch das sind Bilder, die heute eher schwerfallen: ‚König‘ wird verbunden mit Prunk und Absolutismus, sicher auch Würde und Macht, aber doch eher mit veralteten Strukturen. Für Luther hingegen waren sie Teil seiner Lebensrealität. Und Priester waren ebenfalls auf einem höheren Stand, nicht nur aufgrund ihres Wissens, sondern gerade auch aufgrund ihrer Weihe, die sie vom Rest unterschied.


    Mit diesen Bildern beschreibt Luther nun die besondere Stellung Christi. Aber er benennt das noch genauer: Nicht in irdischen, weltlichen Dingen ist Christus König und Priester, sondern in geistlichen; obwohl das das Weltliche miteinschließt. Das bedeutet, dass nicht das, was weltlich von Wichtigkeit ist, also König zu sein oder heutzutage etwa Präsident des mächtigsten Staates, sondern die geistlichen Güter das sind, was die Herrschaft Christi ausmacht. Er betont dabei, dass das die wahre Ausübung des Priesteramtes ist. Warum? Weil Luther zu seiner Zeit erfahren musste, dass viele Priester und Kirchenfürsten sich wie weltliche Herrscher aufführten und dabei oftmals ihre seelsorgerlichen Aufgaben vergaßen. Hier muss er also das Bild vom Priester für seine Zeitgenossen wieder gerade rücken: Christus ist Priester, aber nicht so, wie ihr es um euch herum seht, sondern so, wie es wirklich sein sollte!


    Luther redet in vielen Bildern von Gott und von Christus. Das ist auf jeden Fall hilfreich, vielleicht sogar die einzige Möglichkeit, von Gott sprechen zu können; dabei besteht aber immer das Problem, dass Bilder sich verändern oder veralten können. Wie sehen wir das heute? Können wir Christus heute noch als Erstgeborenen bezeichnen? Als König oder als Priester? Und wenn nicht, was wären Bilder, die heute besser passen?

    Ich freu mich auf Ihre und Eure Kommentare!

    jonasdontospamme@gowaway.freiheit2017.net

     

     

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