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    Und wieder geht es ums gute und richtige Handeln! Aber dieses Mal recht verwirrend: Die guten Werke machen nicht gut vor Gott, aber sollen gemacht werden, um Gott zu gefallen Wie ist das denn zu verstehen?

    Schon im letzten Abschnitt ging es um das gute Handeln und wie Luther es befürworten kann, ohne die Moralkeule auszupacken. Aber das Thema lässt ihn nicht los und so behandelt er es auch hier. Erneut stellt er die Frage: Warum soll ich denn gut handeln? Ganz vehement lehnt er sofort wieder die Antwort ab, dass man dadurch vor Gott gut oder gerecht werden könnte: Das kann nicht sein, niemand kann aus eigenen Kräften gut oder gerecht werden, dies macht allein Gott in der Rechtfertigung. Also dann gar nichts tun? Auch das kann Luther so nicht stehen lassen und gibt daher zwei Antworten:

    Zunächst spricht er davon, dass der Leib gereinigt oder sogar gezüchtigt werden solle. Was soll das denn? Keine Angst, hier steht keine körperfeindliche Ausrichtung dahinter, die alles Leibliche verdammt und nur auf Geistig-Geistliches aus ist, ganz im Gegenteil. Aber wie kommt Luther denn überhaupt darauf? Dazu muss man auf das Ende des vorherigen Abschnitts schauen, wo er 1. Kor 9,27 und Gal 5,24 zitiert. Dort wird nämlich vom Kreuzigen und Züchtigen des Leibes gesprochen, und Luther bezieht das – wie seine Zeitgenossen – auf Fasten und ähnliche Praktiken. Aber er ändert hierzu die Einstellung: Fasten und mönchische Enthaltsamkeit wurden nämlich als gute Werke angesehen, mit denen man sich quasi vor Gott extra Punkte auf seinem persönlichen Heilskonto verdienen konnte. Das lehnt Luther ab, er berichtet davon, dass manche wegen diesem ‚Heilskonto‘ ihren Leib bis zum Verderben quälen. Nein, sagt Luther, das muss nicht sein. Diese Werke, Fasten, Enthaltsamkeit, aber auch die ganz normale körperliche Arbeit, sind nicht dafür da, um sich irgendwie vor Gott verdient zu machen, sondern sie sind vielmehr für den Menschen da. Deshalb soll man sie auch nur soweit machen, wie sie gut für einen sind. Wenn Luther dabei den ‚Müßiggang‘, also das Nichtstun als Gegensatz zur Arbeit, verurteilt, dann nicht, weil er den Menschen zur ständigen Leistung antreiben will – nichts stände ihm ferner! Dadurch, dass er Adam mit in seine Überlegungen einbezieht, bringt er meiner Meinung nach zum Ausdruck, dass das Arbeiten zum Menschsein dazu gehört: Ohne Arbeit fehlt dem Menschen etwas. Aber auch hier gilt: Nur so viel arbeiten, wie es gut für einen ist.

    Aber Luther bringt noch eine andere Begründung, die in meinen Augen viel wichtiger (wer fastet heute noch, um vor Gott gut zu werden?), aber auch etwas verwirrender ist: Er sagt, dass wir allein aus der Motivation gut handeln sollen, um Gott zu gefallen. Hat er nicht eben noch gesagt, dass man durch das Handeln nicht gut und gerecht vor Gott werden kann? Ist das nicht das gleiche?

    Ist es nicht, würde ich sagen, auch wenn man das so verstehen kann. Deshalb eine Verdeutlichung an einem kleinen Beispiel: Wenn ich eine Person liebe, dann will ich ihr Gutes tun, nicht weil ich mir etwas von ihr erhoffe, sondern weil ich ihr eine Freude machen will. So ist es nach Luther auch bei Gott: Nicht um unsertwillen, dass wir gut vor ihm dastehen, soll man Gutes tun, sondern um seinetwillen, um ihm eine Freude zu machen. Denn alles Entscheidende ist schon getan, und zwar von ihm.  Natürlich gibt es auch in dem Beispiel die Gegenseite, dass man nämlich einer Person Gutes tut, um selbst etwas zurück zu erhalten, etwa Liebe. Aber dass dies nicht funktioniert, zeigt die Erfahrung: Denn Liebe lässt sich ebenso wenig erkaufen wie Gutsein oder Gerechtigkeit vor Gott.

    Passiert es heute noch, dass gewisse Handlungen eher als Pflicht vor Gott verstanden werden als als eine Wohltat für einen selbst? Z.B. der sonntägliche Gottesdienst? Und läuft die Rede vom Handeln, um Gott zu gefallen, nicht wieder Gefahr, als Pflicht verstanden zu werden? Ich bin gespannt auf Kommentare und Anfragen!


    jonasdontospamme@gowaway.freiheit2017.net

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