• account_circle Das meint unser Herausgeber ...

    Nach seiner Doppelthese von letzter Woche geht Luther jetzt auf den inneren und den äußeren Menschen ein. Und das ist ganz schön krass, was er hier sagt: Selbst als Gefangener, als Kranker oder Leidender nimmt der Mensch keinen Schaden an seiner Seele, nimmt er sie nicht gefangen. Da frage ich mich schon: Ist das so? Hat nicht die Psychologie herausgefunden, dass gerade auch die Beschränkung von äußerer Freiheit, sei es durch Gefangennahme, sei es durch Krankheiten, Auswirkung auf den inneren Menschen hat und seiner Seele schaden kann?

    Doch halt, damit bin ich, glaube ich, auf dem falschen Dampfer: Es geht Luther hier nicht um das moderne, psychologische Seelenverständnis; er meint mit Seele, mit dem inneren Menschen den Mensch in seiner Beziehung zu Gott. Und auf diese Beziehung haben äußere Umstände keinen Einfluss. Also egal, ob jemand gefangen ist oder krank - und hier könnte man jetzt sicher auch im Sinne Luthers psychische Krankheiten nennen - hat das keinen Einfluss auf das Gottesverhältnis. Aber das heißt im Gegenzug auch: Auch wenn es mir äußerlich gut geht, also materiell, gesundheitlich, gesellschaftlich, macht das mein Inneres nicht gut oder frei oder fromm. Und alles, was ich äußerlich tue, hat auf diese Gottesbeziehung keinen Einfluss: Gute Werke, Wallfahrten, ja selbst beten.

    Aber ist das heutzutage überhaupt noch ein Thema, dass man durch Gutes, das man tut, glaubt, vor Gott besser zu sein? Ich würde sagen: Ja und nein. Nein, weil ich nicht glaube, dass ein Bonuspunkte-Sammeln bei Gott heute für viele noch eine Bedeutung hat - vielleicht noch theoretisch, aber nicht mehr praktisch. Ja, weil an Gottes Stelle heute meiner Meinung nach eine andere Instanz getreten ist: das eigene Gewissen. Wenn ich mir zum Beispiel aus schlechtem Gewissen, etwa weil ich aus meiner Trägheit mal wieder zu viel billiges böses Fastfood konsumiert habe, extra deswegen die teuren Bio- und FairTrade-Artikel kaufe, um mich aus diesem schlechten Gewissen quasi freizukaufen, um mal ein ganz alltägliches Beispiel zu nennen. Und das ist genau der Punkt, den Luther angreift: Wenn Gutes nämlich nicht um des Anderen Willen getan wird, sondern nur, um sich selbst gut und frei zu fühlen.

    Ich bin gespannt auf Eure Kommentare!

    jonasdontospamme@gowaway.freiheit2017.net

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    Jonathan (jonathandontospamme@gowaway.freiheit2017.net) empfiehlt folgenden Lesestoff:

    • Christine Axt-Piscalar / Mareile Lasogga (Hg.) im Auftrag der VELKD: Dimensionen christlicher Freiheit. Beiträge zur Gegenwartsbedeutung der Theologie Luthers, Leipzig 2015.
    • Martin Laube (Hg.): Freiheit, Themen der Theologie 7, Tübingen 2014.
    • Markus Mühling (Hg.): Gezwungene Freiheit? Personale Freiheit im pluralistischen Europa, Göttingen
    • Birgit Recki: Freiheit, Grundbegriffe der europäischen Geistesgeschichte, Wien 2009.

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