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    Gute Werke, die Dritte: Wer war zuerst da, der gute Mensch oder die guten Werke?

    Und weiterhin geht es Luther um die Werke, und zwar – das ist wichtig – immer noch hauptsächlich um die Werke, die man ‚sich selbst‘ tut, wie Fasten, Beten, enthaltsam Leben; schon in den letzten Abschnitten hat Luther dargestellt, dass man diese Werke erstens für sich selbst tut und zweitens zur Freude, nicht aber um vor Gott gut oder gerecht zu werden.

    Nach diesen Zielen der Werke geht es ihm nun um die Ursache: Anhand der Bilder vom Baum und vom Zimmermann macht Luther deutlich, dass die guten Werke (die guten Früchte, das gute Haus) nicht die Ursache eines guten Menschen (Baums, Zimmermanns) sind, sondern umgekehrt: Die Werke sind nur die Wirkung, sie machen nicht jemanden gut, sondern sie werden von jemandem gemacht, der gut ist. So weit eigentlich alles ganz logisch.

    Aber da kommen wir zum Problem: Woran erkenne ich denn, dass ein Baum ein guter Baum ist? Für mich als Mensch ist ein Baum dann gut, wenn er – richtig! – gute Früchte trägt. Und das macht das Ganze schwierig, denn vor anderen Menschen kann auch ein ‚schlechter Mensch‘ scheinbar gute Werke tun. Zum Beispiel, um mal ein heute relevanteres Bild als das Fasten zu nehmen, könnte es sein, dass jemand jeden Sonntag in den Gottesdienst geht. Die anderen Gemeindemitglieder, selbst der Pfarrer, meinen, er sei wohl ‚besonders gläubig‘. Nun kann es natürlich gut sein, dass es diesem Menschen wirklich einfach wichtig ist, jede Woche gemeinsam mit der Gemeinde den Gottesdienst zu erleben; es ist aber auch möglich, dass er es wegen des Ansehens macht. Den Unterschied, die Gesinnung, die dahinter steht, kann man als Mensch meistens nicht sehen. Deshalb würde ich im Zweifelsfall auch immer vom Besten ausgehen. Gott aber kann ins Innere schauen, sieht die Ursache, aus der heraus die Werke gemacht wurde, und weiß daher, ob es gute oder schlechte sind. Das heißt dann aber auch, dass andere Menschen gerade nicht über das Innere eines Menschen urteilen können. Und das heißt auch, dass ich mich selbst hinterfragen muss: Warum mache ich das eigentlich? Was ist meine Intention dahinter?

    Denn, nicht nur vor anderen Menschen können solche Werke scheinbar gut sein, auch vor mir selbst: Es kann passieren, dass ich mir selbst einrede, dass ich faste, bete, in die Kirche gehe etc., um mir selbst einzureden, ich sei gut. Dabei geht es darum gar nicht. Natürlich ist mir klar, dass ich mir dadurch nichts ‚verdiene‘; aber vielleicht wirken diese Werke dann als Selbstbestätigung: Ja, ich bin gut, das sieht man ja an der Wirkung. Den guten Baum erkennt man als Mensch eben nur an den Früchten. Gerade da ist es wichtig, meine Intention zu hinterfragen: Warum mache ich etwas? Auch wenn es wirklich schwierig ist. 

    Kann man überhaupt so sicher herausfinden, warum man etwas macht? Ist es nicht einfacher, von der Wirkung auf die Ursache zu schließen? Und was ist, wenn ich etwas aus den besten Beweggründen mache, das dann aber schlechte Auswirkungen hat: Ist das dann gut oder schlecht? Ich freue mich auf Kommentare!

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