01.05.17

Inhalte und Kommentare zum Studientag: "Freiheit ist bunt!" (Update!)

Am 29. Mai haben wir uns in Tübingen für eine Einführung in Martin Luthers Text von der Freiheit eines Christenmenschen getroffen und uns auf eine Reise durch sechs Wissensbereiche zum Thema Freiheit begeben. Hier sind die Beiträge zum Nachlesen und weiterdiskutieren.

Ein bald 500 Jahre alter Text, Open Source Software, ganz und gar nicht "verrückte" Kletterer, Marktversagen, Abwehrrechte und ein "paradoxer Begriff" – auf dem Studientag von freiheit2017.net, der am 29. April in Tübingen stattfand, sind sehr unterschiedliche Perspektiven auf die Freiheit zusammengekommen. Wir stellen die Beiträge hier zum Nachlesen und Anschauen ins Netz. Es kann ein paar Tage dauern, bis alle Texte und Bilder von den Vortragenden und TeilnehmerInnen zusammengetragen sind.

von Jakob (Mail / Twitter)

Der Studientag begann, nach einer Reihe von Grußworten, mit einer umfassenden Einführung in Martin Luthers Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen" durch Prof. Dr. Reinhold Rieger, der einen großen Kommentars zum Traktat des Reformators verfasst hat. In kurzen Impulsbeiträgen ging es um die Freiheit im Recht, in der Politik, beim Klettern und im Computer. Bei der Diskussion mit den Referenten und den anschließenden Gesprächsforen wurde noch stärker deutlich: was wir unter Freiheit verstehen ist eine bunte Mischung aus Rechten, Pflichten und Begründungen. Freiheit ist - je nach Ort und Zeit - immer wieder anders, aber unaufgebbar.

Reinhold Rieger: Martin Luthers Freiheitsschrift

Dem Referenten ging es nicht nur um die Geschichte der Schrift, sondern auch darum, wie sie heute gelesen und verbreitet wird. (Foto: Hanni Fuchs)

Zum vollständigen Text.

Die Impulse: Freiheit aus allen Richtungen

Freiheit und Politik (Martin Schiller)

Nach Martin Schiller (FU Berlin) ist der Begriff "Freiheit" in den Sozialwissenschaften paradox und notwendig zugleich (Foto: Hanni Fuchs)

Martin Schiller unterstrich, dass der Freiheitsbegriff in den Sozialwissenschaften zugleich schwer zu fassen und doch normativ notwendig ist. Zum Thema werde Freiheit schon bei den Versuchen John Lockes und Charles de Montesquieus, politische Macht auf theoretischem Wege zu beschränken, ebenso wie in der amerikanischen und französischen Revolution, im britischen Liberalismus eines John Stuart Mill und im deutschen eines Wilhelm von Humboldt. Bis in die Gegenwart reicht, so Schiller, die Traditionslinie freiheitlicher politischer Theorie und Praxis. Seit der globalen Finanzkrise von 2008 träten universalistisch-liberalen Konzepten (Schiller nennt das Werk John Rawls') jedoch wieder stärker alternative Theoriemodelle entgegen.

Die Sozialwissenschaften beschäftigten sich mit dem Verhältnis der "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" des Grundgesetzes zur politischen Realität: sie versuchen Freiheit empirisch zu messen, sie als soziale Konstruktion zu begreifen, soziale und politische Bewegungen zu erforschen, welche sich Freiheit auf die Fahnen schreiben, wie etwa in Syrien, aber auch in der Auseinandersetzung um die Zukunft der europäischen Union. Für Schiller, der an der Freien Universität Berlin eine Dissertation im Bereich Politik- und Kommunikationswissenschaften verfasst, ist die Rede von Freiheit deshalb hilfreich und notwendig für die Arbeit der Sozialwissenschaften, auch wenn der Begriff paradox bleibt.

Zum ganzen Artikel: Freiheit und Sozialwissenschaften - "Szenen eines Hassliebe"

Freiheit im Recht (Dr. David Kästle-Lamparter)

David Kästle-Lamparter (Uni Münster) unterscheidet "Freiheit" und "Freiheiten"

Zum Vortragstext.

Free Software und Open Source (Stephan Walter)

Stephan Walter setzt sich für freie Software ein, welche die Nutzer durchschauen können, anstatt dass sie von ihr durchleuchtet werden.

Zum Vortragstext.

Klettern in Freiheit (Cora Schubert / Mischa Hawker-Yates)

Kletterer Cora Schubert (Vordergrund) und Mischa Hawker-Yates (Bild im Hintergrund) sehen in ihrem Sport Gefahren und Möglichkeiten der Freiheit gleichermaßen am Werk

Kletterer Mischa Hawker-Yates und Cora Schubert sprachen über Freiheit an der Felswand: "Wenn du über Freiheit nachdenkst, was siehst du? - Diese ist eine der seltsamen Fragen die nicht in unsere heutige Gesellschaft passt. „Freiheit ist Selbständigkeit“ mag der engagierte Abenteurer rufen, während er mit sonnengebräunten Händen wild gestikuliert und seine abgetragenen Kleidung Zeugnis seines letzten Ausflugs in die Wildnis ist. Ich bin mir da nicht so sicher. In unserer komplexen Welt ist es nahezu unmöglich sich des Einflusses der Gesellschaft zu entziehen, außer natürlich man zieht sich in das ungezähmte Hinterland zurück, nackt und nur für sich selbst sorgend. Der einsame Wolf bleibt hungrig und wir Menschen haben mehr von Rudeltieren in uns, als wir es selbst es zugeben wollen. Isolation ist deshalb nicht Freiheit – selbst der hartgesottenste Abenteurer wird ein Messer, Feuerstein oder ein Kistchen mit Zunder mit sich führen. Warum also klettern wir auf Berge? ..."

Zum ganzen Artikel auf Deutsch: Klettern in Freiheit!

Zum englischen Originaltext: Freedom in climbing

 

 

Ökonomische Freiheit (Alexander Stölzle)

Alexander Stölzle: Ökonomische Freiheit wird nicht erst seit der Finanzkrise von 2007 zum Problem gemacht - sie ist es schon seit der Zeit Luthers.

Alexander Stölzle, Theologe und Ökonom aus Stuttgart, fragte danach, ob "das Gefühl von Freiheit, insbesondere das Gefühl von Freiheit in der Wirtschaft" heute etwas ganz anderes sei, als zur Zeit Martin Luthers. Für seine Untersuchung zog er nicht nur Martin Luthers Schrift "Von Kaufshandlung und Wucher" von 1524 und Luthers Reformatoren-Kollegen Philipp Melanchthon heran, sondern er schlug den Bogen vom 16. Jahrhundert bis zur Finanzkrise des Jahres 2007 und den Briefkastenfirmen der "Panama Papers". Das Ergebnis: Transaktionen "ohn schaden und nachteil deynes nehisten" bleiben die Maßgabe für freiheitliches Wirtschaften.

Zum ganzen Artikel: Wirtschaft und Freiheit

Die Gesprächsforen

[Der Text wird noch bearbeitet.]

Brainstorming 2: Freiheit, Digitales und Open Source

Brainstorming 1: Freiheit in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften