• account_circle Das meint unser Herausgeber ... (hier klicken)

    Am Ende bündelt Luther seine Überlegungen:

    • Gute Werke sind Werke für den Nächsten. Wenn ich als Christ etwas tue, auch ein vermeintlich frommes Werk, tue ich nur dann Gutes, wenn es meinem Nächsten dient. Es kommt somit auf die Haltung an, aus der heraus ich etwas tue. Diese richtige Haltung wird durch den Glauben ermöglicht und geschult. Wer aber über den Glauben nicht recht Bescheid weiß, weiß nicht über die richtige Freiheit Bescheid und geht damit nicht mit der richtig geschulten Haltung an das Tun heran. En passant hält Luther ein kleines Plädoyer zugunsten eines evangelischen Bildungsideals: Um das Gute und Richtige zu tun, muss man auch etwas über den Glauben und die richtige Haltung wissen.

      Aber selbst mit dem entsprechenden Wissen über den Glauben und der Kenntnis der richtigen Haltung bleiben zwei Fragen: Weiß ich denn wirklich immer so genau, ob ich etwas für mich oder für andere tue? Und ist es wirklich per se und ständig von Übel, wenn ich etwas für mich tue?

    • Das Gute kommt von Gott, fließt durch den Glauben in uns und soll aus uns zum Nächsten weiterfließen. Für die Weitergabe des Guten verwendet Luther das dynamische Bild einer Flüssigkeit, die vom einen zum nächsten strömt. Wenn alle Christen ihren Nächsten das Gute, das sie von Gott erhalten, zufließen lassen, entsteht ein regelrechter Wasserkreislauf der Liebe. Bei diesem Weiterfließenlassen des Guten ist Christus der Maßstab. An ihm sollen wir uns orientieren, ja ihn nachahmen. Hier scheint das alte Motiv der imitatio Christi, der Nachahmung Christi, durch. Und diese Imitation geht so weit, dass ich wie Christus sogar die Sünde meines Nächsten auf mich nehmen soll. Da schraubt Luther den Anspruch wieder sehr hoch. Es ist damit zwar nicht gemeint, dass der Mensch dies von sich alleine schafft, sondern die Nachahmung zählt für Luther schon zu den guten Gaben Gottes. Die Frage, ob das nicht etwas viel verlangt ist, Christus nachzuahmen, erübrigt sich damit aber nicht sofort. Was, wenn ich mich selbst damit schuldig mache – wer hat dann was davon? Und steht die Aussage, die Sünde des Nächsten auf mich zu nehmen, wie Christus es für uns alle getan hat, nicht in der Gefahr, die Erlösung durch Christus am Ende doch wieder zu verschleiern und in die bloße Ethik aufzuheben? Oder ist diese Bedrohung durch die Rede vom Glauben genug abgesichert?

     

    Zum Abschluss noch ein Bild: Christsein im Fahrstuhl. Vielleicht kein schlechter Vergleich für unsere Gegenwart (meine Bitte um Entschuldigung an alle, die Fahrstühle nicht mögen!): Man fährt nach oben, bis zur Aussichtsplattform des Wolkenkratzers; man fährt nach unten, bis ins tiefste Kellergewölbe; man bleibt aber immer in derselben Stahlkiste, gut geschützt, immer in Bewegung. So ist die Liebe. Ohne sie, ohne den Fahrstuhl, müsste ich laufen, mich abmühen auf den Treppen des Lebens, würde nie oben ankommen und hätte sicher keine Lust nach unten in den dunklen Keller, zur Not meiner Mitmenschen, abzusteigen. Die Liebe aus dem Glauben eröffnet mir neue Möglichkeiten; sie macht mich frei, alles zu erreichen.

    Wie geht es Euch und Ihnen nach Luthers 30 Artikeln zur christlichen Freiheit?

    War das alles verständlich - oder gibt es mehr Fragen denn je?

    svendontospamme@gowaway.freiheit2017.net

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