» Zum 3.: So nehmen wir uns den inwendigen geistlichen Menschen vor, um zu sehen, was dazu gehört, dass er ein guter, freier Christenmensch sei und heiße. So ist es offensichtlich, dass ihn kein äußerliches Ding frei, noch gut machen kann, wie immer es genannt werden wag; denn seine Güte und Freiheit, ebenso seine Bosheit und sein Gefangensein, sind nicht leiblich noch äußerlich. Was hilft es der Seele, dass der Leib ungefangen, frisch und gesund ist, isst, trinkt, lebt wie er will? Ebenso: was schadet es der Seele, dass der Leib gefangen, krank und matt ist, hungert, dürstet und leidet, wie er nicht gern will? Diese Dinge reichen nicht bis an die Seele, um sie zu befreien oder gefangen zu nehmen, gut oder böse zu machen.


Zum 4.: Entsprechend hilft es der Seele nicht, wenn der Leib heilige Kleider anlegt, wie die Priester und Geistlichen tun, auch nicht, wenn er in der Kirche und in heiligen Stätten ist; auch nicht, wenn er mit heiligen Dingen umgeht; auch nicht, wenn er leiblich bete, faste, Wallfahrten machte und alle gute Werke tue, die durch und in dem Leibe geschehen mochten ewiglich. Es muss noch etwas ganz anderes sein, das der Seele bringe und gebe Güte und Freiheit. Denn alle diese obengenannten Stücke, Werke und Weisen kann auch an sich haben und ausüben ein böser Mensch, ein Gleißner und Heuchler. Auch entsteht durch solches Wesen kein anderes Volk als eines aus lauter Gleißner. Ebenso schadet es der Seele nicht, wenn der Leib unheilige Kleider trage, an unheiligen Orten ist, nicht isst, trinkt, Wallfahrten macht, betet und sie all die Werke unterlässt, die die obengenannten Gleißner tun. «