Abschnitt 14 aus Luthers Freiheitsschrift

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» Zum 14.: Um weiter zu sehen, was wir in Christus haben und ein wie großes Gut ein rechter Glaube ist, ist zu wissen, dass vor und in dem Alten Testament sich Gott alle männlichen Erstgeborenen von Menschen und von Tieren herausnahm und vorbehielt. Und die erste Geburt war wertvoll und hatte zwei große Vorteile vor allen anderen Kindern, nämlich die Herrschaft und Priesterschaft oder Königreich und Priestertum. Entsprechend war auf Erden der erstgeborene Knabe ein Herr über alle seine Brüder und ein Pfarrer oder Papst vor Gott. Mit dieser Figur ist Jesus Christus gemeint, der eigentlich dieser männliche Erstgeborene Gottes des Vaters von der Jungfrau Maria ist. Darum ist er ein König und Priester, jedoch geistlich verstanden; denn sein Reich ist nicht irdisch noch in irdischen, sondern in geistlichen Gütern, als da sind: Wahrheit, Weisheit, Friede, Freude, Seligkeit usw. Dabei ist aber zeitliches Gut nicht ausgenommen, denn es sind ihm alle Dinge unterworfen im Himmel, auf der Erde und in der Hölle, obwohl man ihn nicht sieht, was daher kommt, dass er geistlich, unsichtbar regiert. Entsprechend besteht auch sein Priestertum nicht in den äußerlichen Gebärden und Kleidern, wie wir es bei den Menschen sehen, sondern es besteht unsichtbar im Geist, nämlich so, dass er vor Gottes Augen ohne Unterlass für die Seinen einsteht und sich selbst opfert und alles tut, was ein rechter Priester tun soll. Er bittet für uns, wie Sankt Paulus in Röm. 8[,34] sagt. So lehrt er uns innerlich im Herzen, welches die zwei eigentlichen rechten Ämter eines Priesters sind. Denn ebenso bitten und lehren auch äußerliche, menschliche, zeitliche Priester.


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